

Der Charakter
Aerith ist tatsächlich ein Charakter, der mich zunächst rein wegen der Optik und des Designs angesprochen hat. Ich hatte selbst die Final Fantasy Spiele nie gespielt, kam jedoch, als ich mit cosplayen angefangen habe, auf die Designs der weiblichen Charaktere und habe mir Aerith direkt als künftiges Wunsch-Cosplay abgespeichert gehabt. Mit dem Erscheinen von „Final Fantasy VII Remake“ habe ich wegen Aerith angefangen, das Spiel als Let’s Play zu schauen und habe mich dann neben dem Design auch in Aerith als Charakter verliebt.
Und doch hat es bis kurz vor Release von „Final Fantasy VII Rebirth“ gebraucht, bis ich mich entschlossen hatte, eines meiner frühesten Wunsch-Cosplays umzusetzen und Aerith zu cosplayen.
Also war ich auf Amazon unterwegs gewesen, und weil ich nach Aerith-Perücken gesucht hatte, wurden mir auch ganze Cosplays vorgeschlagen. Draunter auch eines, was wirklich richtig originalgetreu aussah.
Ich dachte mir, für 170 € geht das, und habe es mir bestellt. Fehler.
Das gekaufte Cosplay
Zunächst einmal muss ich sagen: Das gekaufte Cosplay war nicht der komplette Reinfall, da hatte ich schon wesentlich schlimmeres.
Die Jacke war von der Qualität her wirklich gut. Vom Schmuck war ich ausgegangen, dass er Grütze sein würde, es waren einfache silberne und goldene Armbänder ohne jegliches Muster geliefert worden, ebenso eine einfache bronzene Blumenkette.
Wirklich enttäuscht war ich zunächst nur vom Kleid.

Links die Abbildung vom Produkt, auf deren Basis ich die Kaufentscheidung getroffen hatte, rechts das, was geliefert wurde.
Mich hat wirklich sauer gemacht, dass die Knopfleiste nicht bis ganz unten geht, wie auf dem Produktbild gezeigt (ich hatte mich für genau dieses Produkt entschieden, gerade weil es die Knopfleiste hatte!)
Zudem hatte die rosa Borte unten ein Karomuster und kein Rautenmuster und der weiße untere Teil hatte null Struktur.
Eine Beschwerde bei Amazon mit Schilderung des Falls brachte mir mein Geld zurück (was wesentlich mehr war, als ich erwartet hatte).
Also beschloss ich, das Beste daraus zu machen und mit dem zu arbeiten, was ich bekommen hatte.
Die erste Überarbeitung
Ich also das Cosplay zu nehmen und die Dinge, die mich stören, anzupassen, namentlich das Kleid.

Ich wollte auf jeden Fall die Knopfleiste verlängern.
Und da dachte ich mir, wenn ich schon dabei bin, dann kann ich auch direkt eine richtige Leiste daraus machen, also entlang der Leiste die Vorderseite des Kleids öffnen, damit es nicht nur aufgenäht ist, sondern richtig dreidimensional.
Ich besorgte mir also Knöpfe in der richtigen Größe und Farbe und kaufte rosa Satin-Geschenkband im Laden und dachte mir „auf geht’s“.
Es gestaltete sich wesentlich schwerer als gedacht und das Resultat ließ zu wünschen übrig.

Nachdem ich vorne aufgetrennt hatte, blieb zu wenig Stoff, um wieder komplett zuzunähen. Es blieb eine kleine Lücke.
Zudem war es keine gute Idee, Geschenkband zu nehmen, da das zwar von der Farbe und dem Material her den vorhandenen Bändern am nächsten kam, aber sich nicht gerade aufnähen ließ.
Es sah sehr krunkelig aus.
Doch ich beschloss, es für ein Shooting erstmal dabei zu belassen und widmete mich den nicht vorhandenen Accessoires.
Leider waren die WIP-Bilder der Armbänder und der Kette auf einer Speicherkarte, die mir gecrasht ist, daher hier nur das Endresultat:

Bronzene Armbänder: 2 EVA-Foam-Lagen unterschiedlicher Dicke übereinander mit einer Lage Papier, aus der das Muster ausgeschnitten wurde.
Goldene Armbänder: 2 EVA-Foam-Lagen unterschiedlicher Dicke übereinander
Silberne Armbänder: 2 EVA-Foam-Lagen unterschiedlicher Dicke übereinander mit gestanztem Muster (Kugelschreiberspitze).

Lederband, das beim Cosplay dabei war, wiederverwendet.
Blume aus Worbla ausgeschnitten und in Form gebracht. Eine Perle (Überbleibsel von Aschenbrödels Krone) aufgeklebt und mit einem Draht am Lederband befestigt.
Resultat

Es sind bei dem Fotoshooting wirklich schöne Bilder rausgekommen.
Insgesamt war ich zufrieden mit dem, wie ich es überarbeitet habe, da die unsaubere Knopfleiste gar nicht so negativ auffällt.
Warum blieb es nicht dabei?
Diese Frage stellt sich nun. Und die Antwort ist sehr einfach: Ich wurde angefragt, ob ich als Aerith beim Deutschen Computerspielpreis als Cosplayer dabei sein könnte.
Ich habe mich natürlich wahnsinnig gefreut!
Aber eins war mir klar: Mit dem Kleid, so wie es zu dem Zeitpunkt war, würde ich mich da nicht blicken lassen (können). Ich kannte einige der anderen Cosplayer, die auch dort sein würden, und was für geile Arbeit die immer leisten.
Also war mein Ehrgeiz geweckt und ich beschloss, dass ich das Cosplay ein zweites Mal überarbeiten würde.
Die zweite Überarbeitung
Ich begann mit dem offensichtlichen: Das Kleid musste neu gemacht werden. Von Grund auf. Auch weil ich diesen glatten Kostümstoff nicht schön finde. Er sieht meiner Meinung nach einfach nur billig aus.
Gebt mir Struktur in Stoffen!
Aber das war leichter gesagt als getan. Einen Stoff in der passenden Leichtigkeit zu finden, mit dem richtigen Muster UND nicht aus diesem billigen glatten Kostümstoff, erschien ein Ding der Unmöglichkeit.

Also verabschiedete ich mich von dem exakt richtigen Rautenmuster und wendete auf einen Stoff satter rosa Farbe den „Herr der Ringe“-Kostüme-Trick an:
Umdrehen und die linke Seite als Außenseite nehmen.
Ich fertigte ein Schnittmuster auf Basis des alten Kleids an und schneiderte das neue Kleid aus dem gekauften Stoff.

Was ich dabei nicht bedachte:
Der Stoff, für den ich mich entschieden hatte, war ultra elastisch, was dazu führte, dass das Eigengewicht des Kleids die Form derart verzog, dass es unmöglich gewesen wäre, das auf einer jugendfreien Veranstaltung zu tragen (Ärmellöcher dreifache Größe und so).
Somit hatte ich schon weit mehr als die Hälfte meines Stoffs verbraten, mir ging die Zeit aus, und das Kleid würde ich so nicht tragen können. Es wäre nicht einmal wert gewesen, es weiter zu schneidern.
Starb so also mein Vorhaben, das Kleid bis zum DCP zu verbessern?
Ich weiß schon, weshalb ich Stretch-Stoffe nicht mag.
Nach ein bisschen Grummeln und Ausheulen bei meiner besseren Hälfte, ging ich das Ganze anders an. Ich wollte es schaffen. Und ich hatte bisher immer einen Weg gefunden.

Ich trennte also das Schittmuster an der Taille auseinander, um Oberteil und Rock separat zu fertigen. Aus dem Stoff des misslungenen Kleides schaffte ich es, noch das Oberteil auszuschneiden.
Dann kramte aus meiner Stoffkiste einen nicht-dehnbaren (!) rosafarbenen Leinenstoff hervor und schneiderte aus diesem noch einmal das Oberteil.
Ich bezog also das nicht-dehnbare Leinenoberteil mit dem Stretchstoff und hatte damit eine formstabile Basis.

Die Knopfleiste wurde jetzt auch zu einer echten Knopfleiste, die jedoch von innen mit Druckknöpfen verschlossen wird. Die kleinen Knöpfe sind wieder nur außen Zierde.
Die Ränder verkleidete ich mit einem Paspelband aus Stoff, das wesentlich wertiger aussah als das Satin-Geschenkband.
Auf dem Bild sieht man auch den Leinenstoff innen.
Aus dem übrigen Reststoff, konnte ich dann auch den Rock noch fertigen.
Eine Herausforderung blieb jedoch der untere Teil des Rocks. Ich kaufte einen Stoff mit etwas haptischem Muster und Spitze, aber eine Borte in dem richtigen Rautenmuster konnte ich einfach nirgends finden.
Also habe ich eine einfache rosa Borte mit weißem Stickgarn „benäht“.

Ich denke, an der Stelle sagt ein Vergleichsbild mehr als Worte.
Rechts Aeriths Outfit aus dem Spiel, links oben das, was ich bekommen habe, links unten das, was ich selbst gemacht habe.
Natürlich ist das Endresultat nicht exakt so wie das Original, aber ich finde, ich bin ein ganzes Stück näher dran, und es sieht viel wertiger aus.

Und weil es so schön war, gleich noch einmal:
Links oben das Cosplay, was ich gekauft hatte, links unten die erste Überarbeitung, rechts die selbst geschneiderte neue Version.
Viel besser.

Und direkt ein drittes Mal:
Links oben das gekaufte Cosplay (der Stoff sieht im Licht einfach super billig aus, und die Knitter hast du einfach nicht rausbekommen!), links unten die erste Überarbeitung (grauenhaft mit dem Geschenkband!), rechts das selbst gemachte Endresultat.
Und an der Stelle hatte ich dann Blut geleckt. Denn es gab auch noch etwas, was mir an der Jacke aufgefallen war:

Unter den Armen hat Aeriths Jacke Ledereinsätze mit verstellbaren Schnallen, außerdem setzt der Gürtel der Jacke auch erst an den Schnallen Ledereinsätzen an und geht nicht einmal ganz rum.
Die gekaufte Jacke unterschied sich da enorm.

Schnell waren weinrotes Leder zum Aufkleben, Schnallen und eine Lochzange inklusive Ösen bestellt.
Freihand schnitt ich alles richtig zuschneiden und klebte es zusammen.

Nach dem Auftrennen des Gürtels und Entfernen der rückwärtigen Gürtelschlaufe, sowie dem Aufkleben und Festnähen der Ledereinsätze, ähnelte die Jacke dem Original schon sehr viel mehr.

Dass die Löcher am Gürtel auf der Seite ohne Schnalle eigentlich näher am Ende sein müssten, habe ich bei dem vorherigen Schritt auch noch umgesetzt.

An allen Reißverschlüssen habe ich noch ein paar alte goldene Schmuckperlen aufgeklebt, und damit hatte ich die Jacke soweit angepasst.
Finales Resultat

Nach den Überarbeitungen steht nun das ursprünglich gekaufte Cosplay der fertigen Überarbeitung gegenüber.
Ich finde, die Überarbeitung sieht, wenn auch nicht exakt so wie das Original, dennoch um Längen besser aus als die gekaufte Version.
Ergebnis

Mit dem überarbeiteten Cosplay habe ich mich dann auch auf den DCP getraut und hatte dort eine wirklich tolle Zeit.
Ich finde, die Überarbeitungen haben sich richtig gelohnt, und sei es nur, um mich selbst in dem Cosplay wohler zu fühlen.
Der Wachenstab hat übrigens sein eigenes Making-of bekommen.
Fun Fact
Nachdem ich beim DCP über Stunden eine sehr schwere Perücke getragen hatte, habe ich etwas gelernt: Ich hätte im Vorfeld den kleinen in die Perücke eingearbeiteten Metallkamm, der diese vorne am Kopf fixiert, entfernen sollen.
Nach dem Abend hatte ich genau an der Stelle eine offene Stelle am Kopf, wo der Kamm die Haare mitsamt Kopfhaut abgerieben hat.

Links ein Bild vom 07.05.2024, als die Haut zumindest wieder nachgewachsen war. Aber eine kahle Stelle blieb mir… über Monate.
Rechts ein Bild von Ende Dezember 2024. Nach einem halben Jahr waren endlich Babyhaare nachgewachsen.
Ich werde in Zukunft auf jeden Fall daran denken, dass ich bei solchen Perücken die Metallkämme entferne und sie selbst nur mit Haarklemmen fixiere… ein halbes Jahr eine kahle Stelle genau über der Stirn reicht mir!
