Der Charakter

Inej ist ein Charakter aus der Serie „Shadow and Bone“ auf Netflix. Sie ist ein Mitglied der Krähen mit der besonderen Fähigkeit, dass sie überall sein kann, ohne dass sie jemand bemerkt. Daher hat sie auch den Ruf, ein „Phantom“ zu sein. Sie ist sehr gewandt im Umgang mit Messern, doch ihr Glaube verbietet ihr das Töten.

Ich mochte Inej direkt, als ich die Serie gesehen habe. Ich fand sowohl den Charakter selbst sehr ansprechend, als auch ihr Design, daher war mir klar, dass ich sie cosplayen muss. Da es ihr Outfit jedoch nicht zu kaufen gibt, musste ich wieder selbst tätig werden.

Und das war mal wieder eine Herausforderung.


Materialien

Wie so oft hat mich mein Weg zum Stoffkontor JP Stoffe geführt

  • ein dickerer Polyesterstoff, der fast das gleiche Muster wie Inejs Mantel aufweist
    • In der Serie wirkt Inejs Mantel eher grünlich, aber das liegt am Color-Grading
  • blaugraues Nappa-Kunstleder
  • halbtransparenter, elastischer Stoff in blassgrün
  • schwarzes Kunstleder
  • schwarzer Stoff mit Strickoptik

Sonstige Materialien

  • schwarzes Fimo
  • türkise Knöpfe
  • Druckknöpfe
  • Pappe
  • Klebeband
  • Acrylfarben
  • Stickgarn

Verwendetes Schnittmuster

Für das Oberteil habe ich als Grundlage wieder eines meiner am meisten verwendeten Muster genutzt: burda young 6847

Der Princess-Schnitt wird sehr häufig für Frauenkostüme verwendet.

Daher verwenden viele meiner Cosplays dieses Schnittmuster:

  • Lysatrya
  • Donna Beneviento
  • Ratcatcher 2
  • Kate Bishop (Hawkeye) – nie geshootet

Das Schnittmuster diente mir als Basis, doch für die unterschiedlichen Teile des Cosplays musste ich das Muster auf unterschiedliche Art anpassen.


Der Prozess

Die Weste

Ich musste das Schnittmuster relativ wenig anpassen. Die einzigen Anpassungen beliefen sich auf:

  • Keine Ärmel
  • Einfügen eines V-Ausschnitts
  • Kürzen der Länge
  • Den unteren Rand musste ich die Form anpassen; eine leicht dreieckige Form, die ihren längsten Punkt fast bei der Naht hat, an der die beiden vorderen Teile zusammenkommen

Im Original zieht sich eine horizontale Naht durch die Weste, die den oberen Teil und den unteren Teil separiert.

Ich habe es mir leicht gemacht und das Schnittmuster nicht weiter angepasst. Ich habe einfach die Weste genäht und im Nachhinein einfach innen noch eine Falte umgenäht, sodass von außen diese „getrennte“ Optik entsteht.

Den Streifen, der die Griffe der Wurfmesser sichert, habe ich nachträglich aufgenäht.

Ebenso habe ich nachräglich einfach die Taschen ausgeschnitten und an die richtige Stelle auf die Weste genäht.

Für die Verschlüsse der Weste habe ich vintage Verschlüsse für kleine Truhen genommen.

Diese habe ich einfach vorne auf die Weste genäht, sodass sie diese verschließen können.

Leider neigen die Schnallen dazu, sich bei Bewegung immer wieder von selbst zu öffnen.

Zudem bildet die korrekte Platzierung der Schnallen auf der Weste, eine Lücke in der Mitte, durch die sehr stark das limettengrüne Hemd darunter zu sehen war.

Daher habe ich unter der Mitte noch eine Lasche aus dem gleichen Kunstleder angebracht, das mit Druckknöpfen die Weste richtig verschließt.

Zudem verwende ich kleine goldene Plastikhaargummis, die ich um die unteren Ende des Verschlüsse wickele, wenn sie geschlossen sind, sodass er sich nicht mehr von selbstr öffnen.

Der Mantel

Der Mantel war eine große Herausforderung, da ich für diesen das Schnittmuster sehr abändern musste.

Für den Mantel konnte ich das Schnittmuster jedoch in voller Länge verwenden, die Ärmel blieben unangetastet.

Da der Mantel von Inej eher lose fällt, habe ich auf der Rückseite des Schnittmusters die Nähte weggenommen (die hauptsächlich existieren, damit sich der Schnitt enger an die weibliche Figur schmiegt). Somit hatte ich für die Rückseite nur noch ein Teil.

Die Vorderseite musste ich jedoch komplett neu modellieren, da der Mantel von Inej sehr asymetrisch ist.

Die rechte Seite des Mantels schließt quasi mittig auf der rechten Brust.

Das Schnittmuster der langen Jacke kann praktisch bist zur vorderen Seitennaht verwendet werden, muss nur nach unten und oben hin angepasst werden.

Ich habe noch einen Kragen zu dem Schnittmuster hinzugefügt.

Die linke Seite des Schnittmusters benötigte einiges an Experimentieren. Es musste so weit nach rechts verlängert werden, bis nur noch die beabsichtigte Öffnung übrig blieb.

Unsichtbar von außen habe ich Knöpfe angebracht, sodass der Mantel geschlossen werden kann und alles an seinem Platz bleibt.

Die dreieckige Lasche war eine ganz besondere Herausforderung, obwohl sie eigentlich nur ein Dreieck ist, das am Halsausschnitt angebracht wird.

Es ist aber alles andere als einfach, sie tatsächlich an sowohl den Kragen als auch den Halsausschnitt anzubrigen.

Die Lasche besteht aus zwei Lagen, die auf links aufeinandergenäht wurden und dann wieder auf rechts gedreht, sodass sie keine sichtbaren Nähte außen aufweist.

Augenscheinlich (und vermutlich in der Serie tatsächlich) wird der Mantel durch drei Riemen geschlossen, die jeder von einer kleinen Schnalle gesichert werden.

Ja, ich habe das anders gemacht.

Mein Mantel wird komplett mit Druckknöpfen geschlossen, die Riemen und Schnallen sind lediglich dekorativ.

Erst einmal habe ich die Riemen, die ich aus dem gleichen Stoff wie den Mantel gefertigt habe, an die richtige Stelle auf den Mantel aufgenäht.

Ich habe Druckknöpfe auf die Riemen genäht, und ihr jeweiliges Gegenstück auf die Stelle auf der linken Seite des Mantels, wo in der Serie die Schnallen sitzen würden, und den Mantel verschließen würden.

Die Knöpfe habe ich so positioniert, dass die Riemen beim Schließen der Knöpfe nicht lose sind, sondern relativ straff sitzen.

Die Schnallen selbst habe ich aus schwarzer Fimo-Modelliermasse geformt und mit goldener Acrylfarbe angemalt.

Ich wollte, dass sie abnehmbar sind, damit ich den Mantel gefahrlos waschen kann.

Die Riemen werden durch sie hindurchgefädelt, bis die Schnallen direkt über den Druckknöpfen sitzen.

Danach werden die Enden der Riemen über den befestigten Riemen gezogen und dann von oben hindurch, sodass eine feste Lasche entsteht.

Wenn ich etwas vorsichtig bin, dann kann ich die Knöpfe sogar öffnen, ohne dass die ganze Konstruktion in sich zusammenfällt.

Für die Verzierungen an Kragen, Lasche und Ärmelsäumen habe ich einen ganz einfachen Wellen-Zierstich meiner Nähmaschine genommen und goldenen Faden.

Das Shirt

Für das Shirt habe ich einen Basic-Schnitt aus einem alten Nähbuch gewählt.

Der Stoff war leider super stretchig und so dünn, dass er mir immer wieder in die Maschine gezogen wurde.

Das Nähen war ein Alptraum.

Noch dazu habe ich nicht bedacht, dass das Schnittmuster, das ich verwendet hatte, nur bis zur Taille geht, sodass das Shirt jetzt sehr kurz ist.

Aber ist okay, man sieht es unter der Weste immerhin kaum.

Das wirklich schwierige war das Muster, das die Ärmel ziert.

Mithilfe dieser Referenzbilder habe ich mir Pinsel und goldene Acrylfarbe gegriffen und das Muster nonchalant und freihand auf die Ärmel übertragen.

Ich war mir durchaus bewusst, dass jedes Waschen dieses „Kunstwerk“ zerstören wird.

Aber ist halt manchmal so; ich hatte keine bessere Alternative greifbar.

Aufgrund der Tatsache dass der Stoff so unglaublich elastisch war, ist der Kragen nicht ganz gleichmäßig auf beiden Seiten, aber ich kann damit leben.

Um zumindest von der Optik her die leicht bauschigen Ärmel des originalen Hemdes hinzubekommen, habe ich die Ärmel erstmal überlang gestaltet.

Anschließend habe ich auf der Innenseite einen Faden per Heftstich eingezogen und dann den Stoff gerafft.

Der Schal

Ich habe lange gebraucht, um herauszufinden, ob Inej ein Kopftuch, eine an den Mantel angenähte Kapuze oder eine extra Kapuze trägt.

Letztendlich kam ich zu dem Schluss, dass es sich augenscheinlich am ehesten um einen langen Schal handelt, den sie um Kopf und Hals geschlungen hat.

Das war einfach umzusetzen.

Damit der Teil des Schals, der den Kopf einfasst, seine Form schön behält, habe ich am Rand einen dünnen, aber stabilen, Draht eingezogen.

Stiefel und Socken

Für die Stiefel habe ich einfach für existente Stiefeletten Gamaschen aus Kunstleder gefertigt, die an der Seite durch eine Schnürung geschlossen werden.

Für die langen Socken habe ich aus einem Stetchstoff in Strick-Optik einfach kurze Stulpen genäht.

Die Accessoires – Inejs Messer

Inej hat ein Menge Messer, die entweder an der Weste befestigt sind, oder an ihrem Gürtel.

Und da es bei Mad Alice so gut funktioniert hat, habe ich auch für Inej auf mein Lieblingsmaterial für Messer zurückgegriffen: Pappe.

Das richtige Muster ausgesschnitten, mit Klebeband fixiert und dann mit Acrylfarbe bemalt.

Die Griffe sind entweder mit Stickgarn umwickelt oder auch mit dicker Juteschnur (teilweise auch nach tatsächlichen Griffwickeltechniken).


Das Ergebnis

Auf das Ergebnis bin ich ziemlich stolz.

Eine gekaufte Lederhose, ein Gürtel und ein schwarzes Halstuch haben den Look noch einmal abgerundet.

Es ist auch wirklich bequem zu tragen.

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