

Der Charakter
Seit ich ein junges Mädchen war, habe ich Herr der Ringe und insbesondere die Verfilmung geliebt. Gerade Arwen hat mich sehr fasziniert, die aus Liebe ihre Unsterblichkeit aufgibt und stets an der Hoffnung festhält, dass sich alles zum Guten wenden wird.
Da ich mich sehr lange davor gefürchtet habe, mal tatsächlich ein Herr der Ringe Cosplay anzufertigen, weil mich die Kunstfertigkeit, die in diesen Kostümen steckt, so eingeschüchtert hat, erschien mir Arwens Traumkleid wie ein guter Einstieg, da es vergleichsweise einfach anzufertigen ist.
Die Misserfolge
Ich hatte enorme Probleme, einen Stoff für das Cosplay zu finden. Das Originalkleid ist leicht fliederfarben und scheint eine dezente Struktur zu haben, doch so einen Stoff konnte ich über Jahre nicht finden.


Mein erster Versuch (im Jahre 2020) bestand darin, hellblauen Chiffon und violetten Organza übereinanderzulegen, um so die richtige Farbe und einen interessanten Effekt zu kreieren.
Das Ergebnis war jedoch zu voluminös, fiel nicht gut und hatte auch ganz und gar nicht den gewünschten Effekt.
Das Übereinanderlegen von Stoffen gab ich da jedoch als Idee noch nicht auf.


Der nächste Versuch (auch im Jahre 2020) war das Layern von Spitzenstoffen – diesmal hatte ich jedoch dazugelernt und nur Stoffproben gekauft. Das Ergebnis hat mich aber auch gar nicht überzeugt.
Als nächstes hatte ich fast 3 Jahre später (2023) endlich im Stoffladen einen Stoff gefunden, den ich mir von der Farbe her vorstellen konnte: Echte Seide, dementsprechend teuer. Der Stoffladen hatte aber kaum genug, tatsächlich 10 cm weniger, als ich als benötigt ausgerechnet hatte.
Ich habe es dennoch riskiert, einen Weg gefunden, wie ich optimieren konnte und das Kleid hinbekommen.

Da das Kleid beim Zuschneiden und Nähen etwas dreckig geworden war, und ich auf das Vorwaschen verzichtet hatte, habe ich nach Fertigstellen das Kleid noch einmal in eine lauwarme Badewanne gelegt.
Resultat: Der Stoff ist 20cm eingelaufen.
Das sah so richtig doof aus (man sieht vielleicht auch meinen wenig begeisterten Gesichtsausdruck).
Das war also auch ein ziemlicher Fehlschlag.
Es dauerte drei weitere Jahre, bis ich im Stoffladen wieder einen Stoff fand, den ich mir vorstellen konnte. Es war Chiffon, aber auch davon waren 20cm zu wenig vorrätig.
Ich hatte gelernt und es sein gelassen.
Materialien
Ich wollte jedoch nicht aufgeben und wählte mal wieder einen unorthodoxen Weg.

Meine Wahl fiel auf einen Hell lila Chiffon-Tischläufer von Amazon.
Er war ziemlich günstig, aber ich war der Meinung, wenn ich zwei Lagen übereinnander lege, dann schaffe ich es, genau die Transparenz zu erhalten, die das Kleid benötigt.
Also habe ich 4 Packete der Tischläufer von Länge 3m und Breite 77cm bestellt.
Damit war das Material mit knapp 35 € wesentlich günstiger als die echte Seide.
Die restlichen Materialien waren eigentlich nur Nähgarn.
Verwendetes Schnittmuster
Für das Kleid gibt es kein echtes Schnittmuster, jedoch hatte ich vor Jahren auf einer Website (alleycatscratch.com) eine Anleitung gefunden.
Diese Anleitung habe ich dann für mich noch ergänzt:
- Das Kleid besteht aus 2 Lagen Stoff.
- Jede Lage des Kleids besteht aus 2 rechteckigen Stücken Stoff: jeweils eines für das Front- und eines für das Rückenpaneel. Diese rechteckigen Stoffstücke messen 150cm jeweils in Breite und Länge (zumindest bei meiner Körpergröße von 175cm mit Schuhen)
- Als nächstes misst man an den eigenen Schultern den Abstand der Träger des Kleids (in meinem Fall 35cm)
- An den Rückenpaneelen werden von der Stoffmitte aus jeweils die Hälfte des Trägerabstands auf jeder Seite abgesteckt (bei mir also 17,5cm)
- Da die Frontpaneele einen Ausschnitt bilden sollen, rechnet man dort noch einmal pro Seite 10cm obendrauf. Also dort werden die Träger von der Stoffmitte aus auf jeweils die Hälfte des Trägerabstands + 10cm abgesteckt (bei mir also 27,5cm)
- An den jeweils abgesteckten Punkten werden die Front- und Rückenpaneele zusammengenäht. Ich habe die Naht doppelt verstärkt mit durchsichtigem Nylonfaden, um etwas sicherer zu sein
- Die untere Lage des Stoffs habe ich noch an den Seiten körpernah zusammengenäht, damit niemand an der Seite unter das Kleid schauen kann.
Der Prozess
Es mag zu diesem Zeitpunkt bereits aufgefallen sein, welches Problem sich durch meine Verwendung von Tischläufern ergibt.
Die Tischläufer haben eine Breite von 77cm, doch die einzelnen Paneele brauchen eine Breite von 150cm.

Die Lösung war sehr simpel: Ich habe zwei der Paneele in der Mitte durchgeschnitten und erhielt daraus 4 Paneele von 38,5cm Breite.
Diese habe ich dann zu beiden Seiten an die 77cm breiten Paneele genäht.
Die Naht sieht man am Ende nicht, da sie in den Falten, die der drapierte Stoff wirft, verschwindet.
Der große Vorteil an den Tischläufern war auch, dass sie nicht ausfransen nach dem Schneiden, das bedeutet, versäubern der Schnittkanten war nicht notwendig.
Nachdem ich also 2 Paneele von 3m Länge und 150cm Breite erzeugt hatte, habe ich diese jeweils in der Mitte geteilt, um so 4 Paneele von 150cm Länge und Breite zu bekommen.
Dann habe ich die Träger abgesteckt und zusammengenäht.


Von den unteren Paneelen habe ich körpernah die Seiten zusammengenäht, um zum einen dort ein bisschen Silhouette drin zu haben, aber auch um zu verhindern, dass man von der Seite unter das Kleid sehen kann.

Damit war das Kleid tatsächlich auch schon fertig.
Auf dem Bild sieht man jedoch schon ganz gut, dass ich tatsächlich die gewünschte Transparenz erreicht habe und das Kleid noch immer recht durchsichtig ist, was das Original tatsächlich auch ist.

Daher war es für mich keine Frage, dass ich noch einen hautfarbenen Body darunterziehen muss – vor allem auf Conventions.
Das Ergebnis

Ich bin mit dem Endergebnis sehr zufrieden.
Das Kleid fällt einfach wahnsinnig schön, vor allem, wenn es vor dem Tragen einmal gesteamt wurde und deshalb keine Falten mehr drin sind.
Und glücklicherweise verschwinden die Nahtkanten, an denen ich anbauen musste, tatsächlich gänzlich in den fallenden Paneelen.
Ich muss sagen, manchmal sieht man schon die Übergänge zwischen dem hautfarbenen Body und der Haut, aber auch das bekommt man mit etwas mehr Zuppeln hin.
